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In Erinnerung an einen grossen Alpinisten

Zum Hinschied von Erhard Wyniger, 3. September 1924 – 21. Dezember 2023

Erhard Wyniger hat die Geschicke unserer Sektion massgeblich geprägt.

Geboren in Kriegstetten, hatte Erhard als Kind und Jugendlicher neben der Schule und in den Ferien als «Bueb für alles» in der Krone Bätterkinden und in der Landwirtschaft immer viel zu helfen. Von Bergsteigen redete in seiner Familie niemand. Die Liebe zu den Bergen entdeckte Erhard in der Rekrutenschule im Jahr 1944. Er wurde nämlich nicht den sehnlichst gewünschten Radfahrern zugeteilt, sondern der Gebirgsinfanterie. Als er als junger Eisenbahner nach Interlaken-West versetzt wurde, bestieg er nach und nach alle grossen Gipfel zwischen Oldenhorn und Dammastock. 1952 fühlte er sich «gut genug», um dem SAC beizutreten. In der Sektion Interlaken fand er zwei grosse Vorbilder, Dölf Reist und Ernst Reiss, beide später am Mt. Everest und Lhotse erfolgreich. Durch seinen beruflichen Wechsel zur Winterthur-Unfall und seine Arbeit als Schadeninspektor im Bündnerland wurden die Kletterberge des Rätikon und die grossen Grate wie der Biancograt am Bernina, der Bumillergrat am Palü oder die Badilenordkante zu seiner Heimat.

Zurück in Bern wurde er im SAC Bern Chef des Geselligen und Tourenleiter. Legendär wurden seine SAC-Unterhaltungsabende im immer ausverkauften Casino-Saal und die meisterhafte Organisation des 100-Jahr-Jubiläums 1963. Sieben Jahre lang amtete er nun als Vizepräsident und schliesslich von 1970 bis 1973 als Präsident der Sektion Bern.

1964 waren er und seine beiden SAC-Kameraden auf einer Besteigung des Kilimanjaro die ganzen drei Tage Aufstieg und die zwei Tage Abstieg die Einzigen am Berg!

2000 Postkarten aus Peru
Zusammen mit Ernst Schmid (Zweitbegeher am Everest 1956) und Willy Uttendoppler realisierte Erhard 1965 die zwei Monate dauernde Berner Andenexpedition auf die Cordillera Raura und die Cordillera Huayhuash. Die Firma Wander erklärte sich bereit, die in 26 Kisten verpackten 3,5 Tonnen Material nach Peru zu verschiffen und in der dortigen Vertretung einzulagern, bis die Bergsteiger eintrafen. Allein das Flugbillett kostete 4200 Franken, und allen Unterstützerinnen und Unterstützern wurde eine Ansichtskarte mit den Autogrammen versprochen. Als Erhard die 2000 Postkarten aufgeben wollte, wussten sie auf der dortigen Post nicht, was das Porto in die Schweiz kostete, und es gab nicht genug Marken. Schliesslich gelang Erhard die Erstbesteigung des 6548 m hohen Yerupajá, des zweithöchsten Andengipfels mit seinen riesigen Eiswänden und gefährlichen, mächtigen Wächten. Eine weitere SAC-Expedition leitete Erhard 1969 auf den Mt. Kenya und den Kilimanjaro.

Von 1977 bis 1984 amtete Erhard als Hüttenchef der Wildstrubelhütten. Nach seiner Frühpensionierung 1987 leitete er verschiedene Himalaya-Trekkings. 1993 gründete er die Wandergruppe der Pensionierten der «Winterthur» Bern und leitete diese während 20 Jahren auf insgesamt 378 Wanderungen und 30 Reisen.

Erhard war sehr bewusst, dass er immer wieder im Leben Glück hatte. Schon in den Anden überlebte er einen 30-Meter-Sturz dank eines gut sichernden Kameraden unverletzt. Und 1989 erlitt er an den Gosainkund-Seen im Norden Nepals, weitab von jedem Spital, eine beginnende Blutvergiftung an der Hand.

1996 trat Erhard der SAC-Veteranengruppe bei und blieb ihr bis zu seinem Tod tief verbunden. In Dankbarkeit denken wir an all die gemeinsamen Jahre.

Martin Koelbing

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