
Walserwanderung südlich des Monte Rosa
24.08.26 – 27.08.26, Aktive (Senior:innen)
Tag 1: Valaretto – Alpe Selle (+ 600m, 4h, 6km)
Tag 2: Alpe Selle – Rimella (+ 500m/- 1050m, 5h, 8km)
Tag 3: Rimella – Forno (+ 700m/ -1050m, 6h, 10km
Tag 4: Forno – Strona (- 400m, 3h, 8km), anschliessend Heimreise
Vier Tage lang prachtvolles angenehmes Wanderwetter, die Tour bestens vorbereitet von Verena, gepflegte, gut markierte Wege in einer wunderschönen Berggegend im nördlichen voralpinen Piemont zwischen 1’000 und 2’000 müM: Wir, 8 Wanderfrauen und unser Wandersmann, hatten alles, was das Herz begehrte.
Wir wanderten meist auf gut markierten GTA-Routen durch unberührte intakt wirkende Alpentäler, immer auf Walserwegen. Gemäss Unterlagen von Verena sind Walserwege Fusspfade zwischen den Dörfern der Walser, die im 13. und 14. Jahrhundert aus dem Oberwallis auswanderten und die oberen Enden zahlreicher Alpentäler besiedelten, von Hochsavoyen bis nach Westtirol. Vor der Verbreitung von Motorfahrzeugen waren diese über oft hohe Bergsättel führenden Pfade die kürzeste und schnellste Verbindung zwischen den verschiedenen Hochtälern.
Gestartet sind wir mit drei Taxis in Domodossola, die uns weit in das Valle Anzasca bis ins Valaretto hinauf transportierten. Nach den trockenen, heissen Juli-Wochen genossen wir die etwas kühleren Temperaturen, das Wandern oft durch Wald mit Schatten, das weite Bergtal mit den wilden Bächen, mit erfreulich viel Wasser und dem saftigen Grün der Weiden und Bäume.
Wir erreichten auf dem Walserweg mühelos das privat geführte Rifugio auf der Alpe Selle, konnten die schöne Hochebene mit dem Bergsee bewundern und den beiden Hirten und ihren grossen weissen Hütehunden zuschauen, die ihre 300 Schafe, Ziegen und 5 Esel hier weiden liessen.
Die kleine saubere Hütte wird von einem Paar geführt, das die Hütte eigenhändig erbaut hat und das uns aufmerksam bewirtete und fein bekochte. Während des Nachtessens und in der Nacht erfreuten wir uns an einem in diesem Sommer sehr seltenen Gast: einem starken Regen mit Gewitter. Aber tagsüber blieben wir stets trocken.
Tag 2
Da die Alpe Selle auf einer Passhöhe liegt, ging unsere Wanderung am zweiten Tag zuerst talabwärts, mit Blick auf den Bergbach Mastellone und weitere wilde Bergbäche mit steil bewaldeten Bergflanken, eine Gegend, wo wir die Seele baumeln lassen konnten. Anschliessend wanderten wir ca. 400 m aufwärts an schönen Walsersiedlungen vorbei, wo eine etwas ausgesetztere längere Wegpassage in abschüssigem Gelände folgte (T3). Wir trafen in den wenigen Streusiedlungen auf ältere Bewohnerinnen, die uns freundlich begrüssten und interessiert beobachteten. Ein älterer Herr erzählte, dass in dieser von menschlicher Abwanderung geprägten Gegend viel Platz für Wölfe sei, und dass es sehr viele Wölfe habe, so dass die Kuh- und Schafherden, denen wir ab und an begegneten, von Hirten und Hunden bewacht werden müssen.
«Wäg vom Gschütz» befand sich, umgeben von einigen alten Steinhäusern, eine Osteria, wo wir uns gerne erfrischten. Bald erreichten wir Rimella, unser Nachtquartier, einsam gelegen, umringt von vielen waldreichen Seitentälern, ein uraltes schönes, kleines Walserdorf mit wenigen Einwohnerinnen, die dort noch ständig leben und sich jedoch gerne, wie wir, im Albergo Fontana treffen. Geführt wird das Albergo von einer Mutter und ihren zwei Töchtern, die uns ein kulinarisches Highlight präsentierten, mit 6 raffiniert angerichteten Antipasti, jedes einzeln von der Mutter für alle ca. 30 anwesenden Gäste hochprofessionell serviert, gefolgt von leckeren regionalen Primi, Secondi und einem feinen italienischen Dessert. Eine kulinarische Kochkunst eigener Art, ein Hochgenuss, unnachahmlich.
Tag 3
Am dritten Tag wanderten wir bestens gestärkt auf schönen Walserwegen einer langen Bergflanke entlang ca. 800 m hoch auf den Passo Bocchetta di Rimella bzw. di Campello, 1’920 müM. Hier kamen wir in das Gebiet des Parco Naturale Val Strona, das als ausgesprochen blumenreich gilt (die Blumen blühten jedoch früher im Jahr). Wir hatten eine wunderbare Sicht auf all die Haupt- und Seitentäler dieses enorm grossen menschenleeren Gebietes, voller wilder Bäche, gesäumt von Wäldern mit Lärchen, Tannen, Buchen, gesunden Eschen und Vogelbeeren.
Wir wanderten die ganze Wanderung über ohne Zwischenfälle und hochkompetent geführt von Verena und Dorothea talabwärts, kehrten im schönen Walserdorf Campello Monti in eine Osteria ein, um das letzte Wegstück dem Torrente Strona entlang nach Forno gestärkt zu bewältigen. Viele türkisblaue Gumpen des Flusses luden zum Bade ein. Die Temperatur, angenehm zum Wandern die ganzen 4 Tage lang, war jedoch zu wenig einladend zum Baden.
Die ganze Reise war umsichtig und sorgfältig geplant worden, so dass die Familie des Albergo del Leone im malerischen Walserdorf Forno vorbereitet auf unser Eintreffen wartete.
Tag 4
Am 4. Tag wanderten wir ein letztes Mal auf Walserpfaden das Tal hinunter nach Strona, einem ebenfalls von Abwanderung geprägten Dorf an der Autostrasse mit v. a. wohl älteren Bewohnenden, wo wir im Dorfladen einkaufen konnten und dann den Bus bestiegen. Eine unvergessliche Weitwanderung, stets auf schönen Pfaden, fast nie auf Asphalt, und immer abwechslungsreich, ging in Omegna am Ortasee zu Ende.
Immer wieder erinnerten wir uns in diesen Tagen an Olivia Hostettler. Olivia hat als Co-Tourenleiterin 2025 diese Tour mit Verena rekognosziert. Und ist leider überraschend Anfang dieses Jahres verstorben.
Verena und Dorothea haben sich super ergänzt. Das Wandertempo war sehr angenehm und rücksichtsvoll. Wir sind beiden Tourenleiterinnen enorm dankbar für dieses traumhaft schöne SAC-Wandererlebnis.
Tourenleitung: Verena Amrein und Co-Tourenleiterin Dorothea Koelbing
Teilnehmende: Martin, Charlotte, Margrit, Susanne V. und Susanne K., Marianne, Brigitte, Kathrin, Anna
Tourenbericht: Susanne, Martin, Anna
Fotos: Martin






