
Zwei Tage zurück in die Vergangenheit
Naturkurs Gletschervorfeld- Was blüht da?Umwelttour vom 18.07.2026 bis 19.07.2026.
Wir starten unsere Tour mit dem Schwerpunkt zu botanischen, geologischen und kulturellen Besonderheiten im Hinteren Lauterbrunnental im Berggasthaus Trachsellauenen bei Kaffee und ersten interessanten Informationen.
Das Tal wurde dank Pro Natura 1960 von Kanton Bern unter Schutz gestellt und blieb daher weitgehend von störenden Eingriffen verschont.
Auf dem Weg zum Hotel Obersteinberg finden wir viele Spuren davon, wie stark sich die Landschaft innerhalb von Jahrhunderten – heute aufgrund des Klimawandels eher innerhalb von Jahrzehnten – verändert hat. Um 1850 zum Zeitpunkt des letzten Gletscherhöchststandes lag die Gletscherzunge des Breithorngletschers an der Kante, wo heute der Schmadribachfall mit ungeheuren Wassermassen der schmelzenden Gletscher in den Talgrund stürzt.
Unterwegs achten wir auf die Geologie und die Pflanzenwelt, die besonders spannend ist, weil kristalline und Sediment-Gesteine hier aufeinandertreffen und zu einer grossen Vielfalt beitragen. Für den seltenen und geschützten Kreuzenzian machen wir einen Extrahalt – es ist ein Beispiel für ein einzigartiges Zusammenspiel zwischen Tier und Pflanze, die beide aufeinander angewiesen sind.







Auf dem weiteren Weg stossen wir im flachen und breiten Talboden auf eine wilde Schwemmebene, wo der Tschingel-Litschina freier Lauf gewährt wird. Die Pionierpflanzen Fleischers Weidenröschen und Grasnelkenblättriges Habichtskraut besiedeln diese Standorte, welche immer wieder durch Hochwasser gestört werden. Dass eine grosse Bachdynamik auch unangenehme Seiten haben kann, erfahren wir kurz darauf, als der Wanderweg auf längerer Strecke vom Bach weggespült worden ist.
Nach einem feinen Znacht bei Kerzenschein und einer ausgesprochen ruhigen Nacht im Massenlager wandern wir weiter zum Oberhornsee. Wo sich bis 1850 noch die Gletscherzunge des Tschingelgletschers ausbreitete, ist heute eine zauberhafte Landschaft mit kleinen Bächen, Quellfluren, Teppichen von Silberwurz und Felsblöcken entstanden. Geschliffene Felsen mit Schrammen (sogenannte Rundbuckel), aber auch die markanten Seitenmoränen beim Oberhornsee verraten uns, dass hier der Gletscher am Werk war und die Landschaft gestaltet hat.
Nachdem wir die mächtige Oberhoremoräne erklommen haben, welche erahnen lässt, welche Ausmasse die Gletscher noch bis 1850 erreichten, steigen wir in die Weite der Schwemmebene vor dem Breithorngletscher ab. Hier finden wir auch die seltene Zweifarbige Segge, welche nur noch in ganz wenigen, ungestörten Gletschervorfeldern vorkommt. Bis zum Gletschertor wird die Vegetation immer karger, bis nur noch wenige Pionierpflanzen zu finden sind.
In der Stille ist das Wasser des schmelzenden Gletschers zu hören. Immer wieder fallen Steine mit leisem Krachen vom Eis, mit Getöse bricht irgendwo weiter oben Eis ab – es ist ein wunderbarer und auch unendlich trauriger Moment…
Unter kundiger Führung sind wir in zwei Tagen 150 Jahre zurückgewandert und haben dabei sehr viel Wissenswertes und Bemerkenswertes sehen, hören, riechen und kennen gelernt. Danke für diese so interessante und lehrreiche Tour!
Teilnehmer:nnen: Anna, Anne, Hanni, Margrit, Ulrike, Veronique, Werner
Tourenleitung: Yvonne Stampfli
Botanikerin und Geografin: Mary Leibundgut
Text: Anne Rindlisbacher, Mary Leibundgut
Fotos: Ulrike Michiels, Anne Rindlisbacher