
4000er ist Nebensache
Hochtour Lagginhorn Süd-Grat, 26.-27. Juni 2026
Für den Südgrat am Lagginhorn ist eines entscheidend: Eine Seilschaft muss harmonieren und das Seilhandling sitzen. Nur so lässt sich diese lange Grattour sicher und effizient bewältigen. Deshalb nutzten wir den Freitagnachmittag für Ausbildung am kurzen Seil.
Nach einem ausgezeichneten Abendessen folgte die Mission «Frühstart». Für den Samstag waren ab Mittag Gewitter angekündigt, also wollten wir möglichst früh los. Mit Veras Charme liessen sich Hüttenwart und Hüttenwartin schliesslich überzeugen.
Um 2.30 Uhr riss uns der Wecker aus dem Schlaf. Das Frühstück stand bereit – und auf dem Fernseher lief bereits die WM. Da war klar, dass der Hüttenwart nicht nur wegen uns aufgestanden war. Kurz darauf standen wir geschniegelt und startbereit vor der Hütte. Alle ausser Sven. Er erschien – ganz traditionsgemäss – ein paar Minuten später.
Über Geröll, Schneefelder und den mickrigen Gletscher erreichten wir das Lagginjoch. Dort begann der eigentliche Genuss: herrliche Kletterei in schönstem Fels. Schon bald färbte das erste Morgenrot den Himmel. Die Wolken am Horizont und unter uns verliehen der ohnehin eindrücklichen Stimmung eine ganz besondere Atmosphäre. Domä und Dani führten, dahinter Vera und Sven, Mänu und Silas am Schluss.
Der Südgrat begeistert von Anfang bis Ende. Technisch nie extrem schwierig, aber durchgehend schön, abwechslungsreich und teils doch steil und luftig. Wer das Seilhandling beherrscht, kommt zügig und sicher voran. Trotzdem zieht sich der Grat in die Länge. Im obersten Drittel gönnten wir uns eine kurze Pause in der Morgensonne, bevor wir über den letzten Turm, eine Abseilstelle und den Schlussaufschwung den Gipfel erreichten.
Dort herrschte bereits Hochbetrieb von den Aufsteigern der Normalroute. Ein schnelles Gipfelfoto, das restliche Sandwich und der Blick auf die eindrückliche Bergwelt mussten genügen. Unter uns türmten sich die Wolken immer höher – Zeit für den Abstieg.
Die Normalroute ist landschaftlich wenig spannend, dafür umso belebter. Mit zahlreichen unerfahrenen Bergsteigern, die wie Seesterne am Berg kleben und die einfach nur einen 4000er besteigen wollen. Freude war dementsprechend gross, über ein kühles Getränk bei der Weissmieshütte.
Kurz vor Schluss dann noch ein Schreckmoment: «Shit, das Seil liegt noch oben!» Mänu kehrte ohne zu zögern um und holte es bei der Hütte. Am Kreuzboden wartete schliesslich die perfekte Belohnung. Ein erfrischender See. Es dauerte nicht lange und wir standen alle im kühlen Nass. Ein besseres Ende hätte diese grossartige Tour mit dieser tollen Gruppe kaum finden können. Und ganz nebenbei haben wir auch noch einen 4000er erklettert.
Tourenleiter: Dominik Berger, Manuel Meier
Teilnehmende: Vera Kessler, Sven Blaser, Silas Schweizer, Daniel Bielser
Tourenbericht: Dominik Berger
Bilder: Dominik Berger




