
Gletscherpower und Firnrausch – vom Jungfraujoch nach Münster
Skihochtouren BEO Gletscherwelt 01.-03.05.2026
Das Jungfraujoch spuckt uns zusammen mit vielen Touristen, klickenden Kameras, Daunen- und Goretexjacken aus und wir bewegen uns zum Ausgang Sphinxstollen. Kaum klicken die Pinbindungen ein, wird es ruhig und das überwältigende Panorama des Jungfraugebiets liegt vor uns.
Der Trugberg gehört nicht zu den grossen Stars der Region; ihm fehlen ein paar Meter zum Viertausender und doch hat er Klasse. Nach den ersten Pulverschwüngen steigen wir in gleichmässigem Rhythmus zum Wintergipfel auf. Der Puls geht dennoch hoch – so gschwind von 450 m auf 3932 m. Der Blick auf den Konkordiaplatz und die Berühmtheiten ringsum ist ebenfalls atemberaubend. Direkt unterhalb des Vorgip-fels queren wir in die Südflanke, oben noch griffig, weiter unten hübscher Sulz. Schwung um Schwung zieht sich unsere Linie hinunter durch diese grandiose, faszinierende und vergängliche Gletscherwelt. Trinken, Anfellen – und die langen Unterhosen braucht es definitiv nicht mehr! Die Sonne drückt im Aufstieg zur Grünhornlücke und weiter zur Finsteraarhornhütte. Nach den Höhenmetern schmeckt das Hüttenplättli herrlich, die Drinks fliessen erfrischend die Kehle hinunter. Der Tag neigt sich mit einem dieser wunder-schönen Hochgebirgssonnenuntergänge zu Ende.
Tag 2
In der Morgendämmerung zieht sich unsere Spur entlang beeindruckender Eisformationen zum Gipfelziel. Über einen kurzen Schnee- und Felsgrat erreichen wir das Gross Wannenhorn. Tempo, Wetter, Stimmung – alles passt. Vom Gipfelplateau fahren wir über den Ostrücken hinunter auf den Trift- und weiter zum Fieschergletscher: weite, leicht aufgesulzte Hänge, eine Abfahrt abseits der «blauen Linien». Das Grinsen sitzt perfekt in unseren Gesichtern.
Der Aufstieg über den Galmigletscher zieht sich, doch schneller als gedacht stehen wir am Felsfuss des Oberaarjochs. Wie ein Adlerhorst thront die ausgesetzte Oberaarjochhütte auf 3258 m spektakulär in den Felsen – eine der höchsten Gebirgshütten der Alpen. Über den schneefreien Sommerweg steigen wir über Leitern, ein Felsband und durch die gedeckte Gallerie hinauf zu dieser einzigartigen, heimeligen und ur-sprünglichen Hütte. Gaumenfreuden, Sonnenterrasse, die Gastfreundschaft von Brigitt und Corsin – pura vida! Nach dem Essen kreisen die Gespräche um Wetterkarten, Meteomodelle und dessen Interpretation. Die Prognosen für den vierten Tag sind nicht berauschend, also kürzen wir die Tour um einen Tag und stornieren den Winterraum der Lauteraarhütte.
Tag 3
Der Wecker klingelt vor fünf. Der Vollmond beleuchtet Gross Wannenhorn und Finsteraarhorn im Westen. Es bildet sich ein schmaler oranger Streifen am östlichen Horizont, der kitschiges Spektakel verspricht. Nach dem Abstieg zum Oberaarjoch sind alle bereit. Doch Adi hält uns zurück, «warted no churz». Also stehen wir da. Sieben Augenpaare zollen Tribut der Schönheit dieser Szenerie und den inneren Gefühlsausbrüchen. Punkt 06:09 Uhr bricht die Sonne über den Horizont und taucht die Gipfel in dieses unwirkliche Gold, Rot, Gelb. Niemand sagt etwas. Muss man auch nicht. Für einen kurzen Moment bleibt die Zeit stehen.
Nach einer kurzen Abfahrt beginnt der Aufstieg zum Vorderen Galmihorn. Das Gipfelkreuz ist bald erreicht. Wir klatschen ab, Gipfelfoto und bereit für die Abfahrt. Auch der aufkommende Variantenreichtum, wie nun die Bächilicke zu bewältigen sei, hält uns nicht lange auf und entlässt uns in die Gommer Südhänge. Richtiges Timing! Nach einer genialen Firnabfahrt ist das Hochgefühl allerseits so gross, dass wir uns zu einem erneuten Aufstieg Richtung Galmilicke entscheiden. Kollektives «360-Grad-Grinsen» beschreibt es recht gut. Der Schnee sulzt langsam auf, wir toben uns alleine an diesem Hang aus und das Minstigertal liegt noch vor uns. Die breiten Hänge verengen sich langsam zu einem steilen Durchgang ins Minstigertal. Erstaunlich lange finden wir noch Restschnee, auch Dank abgegangenen Lawinen. Nach einer grandiosen Abfahrt beinahe bis in die Walliser Talsohle schnallen wir ab. Beschwingt buckeln wir die Ski für kurze 30 Minuten über den Wanderweg bis zum Bahnhof Münster. Es ist erst Mittag. In Brig gönnen wir uns Kafi und Gelatti, bevor sich alle in verschiedene Himmelsrichtungen auf den Heimweg machen.
«Coole Tour, tolles Team, ich fühle mich privilegiert. Herzlichen Dank Sonja und Adi!»
Drei Tage in der BEO- und Walliser Gletscherwelt mit unbezahlbaren Momenten, die man nicht planen kann. Genau deshalb bleiben einem solche Tourentage im Kopf und Herzen. Ein grosses Dankeschön an alle – und besondere an Adi!
Bergführer: Adrian Wälchli
Tourenleiterin: Sonja Seiffert
Teilnehmende: André, Daniel, Manfred, Marc, Peter, Daniel
Tourenbericht: Aus einzelnen Inputs der Teilnehmenden wird ein Bericht Bilder: Teilnehmende













