
«Fröideträne hets uf Saas-Fee abe gluftet»
Hochtour Balfrin 3796 m – Ulrichshorn 3924 m – Nadelhorn 4327 m, 5.-7. September 2025
Ich weiss nicht was schwieriger war: Meinen ersten 4000er zu besteigen – oder die Emotionen dazu auf 2500 Zeichen herunterzubrechen. Vermutlich letzteres. Viel Spass beim Lesen, geschrieben von einer Anfängerin in der Hochtouren-Welt.
An der Endhaltestelle Gassenried erklärte Gerhard die Tourendetails. Gerade wollten wir los, da meinte Thomas: «Kafi wäre auch nicht schlecht». Keiner widersprach und schon sassen wir vor warmen Nektarinen-Kuchen (ja das gibt’s wirklich).
Die 1250 Höhenmeter rauf in die Bordierhütte gingen mir überraschend locker von den Beinen. Während einige wohl schon vom zweiten Kuchen träumten, wollte Gerhard den Ausrüstungs-Check machen. Alles tiptop – wir genossen den Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein und gingen früh in die Heia.
Als Gerhard leicht an meiner Decke zog war ich sofort wach. Während die anderen schon fast abmarschbereit waren, musste ich in den zweiten Gang schalten. Mit vollen Zmorgen-Bäuchen stiegen wir im Licht der Stirnlampe in Richtung Balfrin. Zuerst zum Riedpass, dann über den Südgrat auf den Riedgletscher. Während ich bemüht war, die Gamaschen nicht völlig zu zerhacken, hallen die Worte von Gerhard nach: «Seil spannen». Ein letzter Anstieg über Felsen und Geröll und schon standen wir mutterseelenallein auf dem Balfrin. Hühnerhautmoment pur!
Eine kurze Pause später machten wir uns auf den Weg Richtung Ulrichshorn. MERCI Gerhard und Daniel fürs Spuren, ich wäre wohl abgekratzt, hätte ich selbst müssen. Die Aussicht war phänomenal und ich höre Daniel sagen: «Eigentlech chönte mr no grad ufs Nadelhorn, si scho haub obe». Mein Körper dankt dem Gruppenentscheid heute noch, dies nicht zu tun.
Wir stiegen via Windjoch in die Mischabelhütte ab. Frühmorgens herrschte angespannte Stimmung, mich erstaunte es, dass beim «Anke-Bock» essen noch niemand Steigeisen anhatte.
Auf los geht’s los. Halbkletternd ging es eine Felsrippe hinauf bis zum Hohbalmgletscher. Schon von weitem sah man die Stirnlampen bis zum Windjoch hoch. Dort angekommen nahm mich Gerhard ans kurze Seil. Ich erinnerte mich an seine Worte vom Vortag: «Hier solltest du nicht stolpern».
Es lief gut, zugegeben 1-2 mal musste ich fast auf Allen Vieren «gehen/klettern», aber hey, wir erreichten den Gipfel heil und in vernünftigem Tempo. Oben konnte ich die Freudentränen nicht mehr zurückhalten.
Die Gelati im Tal war die Belohnung für 2500 Höhenmeter runter in einem Rutsch. Mein Herz ist voller Dankbarkeit für dieses unvergessliche Erlebnis.
Tourenleiter: Gerhard Schuwerk, Co-Tourenleiter: Daniel Nacht
Teilnehmende: Janosch Hugi, Fabio Crameri, Andrea Zimmermann, Tanja Thomsen, Thomas Gurtner, Rebekka Wälti
Verfasserin des Berichts: Rebekka Wälti
Fotograf: Auf den Bildern angegeben








