Loading...

Nachruf Ulrich Seemann (Smen)

1945 bis 29. März 2025

Smen und ich sind beide in der Länggasse Bern aufgewachsen, nicht weit voneinander, er an der Alpeneggstrasse, ich am Seidenweg. Trotz dieser Nähe sind wir uns erst am Mineralogischen Institut in Bern erstmals begegnet. Wir verstanden uns auf Anhieb und teilten unsere Leidenschaften für die Berge und deren Entstehung. Von da weg gab es eine auffallende Übereinstimmung unseres beruflichen Werdeganges. Bereits zu unseren Studienzeiten gingen wir viel in die Berge und machten Ski- und Klettertouren. An eine gemeinsame Tour erinnere ich mich besonders, das war so um 1970, wir wollten die Überschreitung des Mönch machen. Am Vorabend bezogen wir unser Quartier im Touristenhaus auf dem Jungfraujoch, welches damals noch für Bergsteiger zum Übernachten offen war. Hier war auch ein Japaner, sehr wortkarg, aber all unsere Vorbereitungen genau beobachtend. Wir ahnten da noch nicht, dass sein Plan war, im Schlepptau von uns auf einen der schönen Gipfel zu steigen. Nach der Tagwacht machte er sich gleichzeitig bereit und folgte uns dann in kurzem Abstand. Am Beginn des Grataufschwungs, noch vor dem Anseilen, blieb er hartnäckig knapp hinter uns, jede unserer Bewegungen nachmachend. Jetzt realisierten wir die Probleme, die auf uns zukommen würden. Zureden nützte nichts, er verstand kein Englisch. Ich sah bereits den schönen Tag im Eimer. Schlussendlich drohten wir ihm mit der Polizei und konnten ihn so schlussendlich erfolgreich abschütteln. Es wurde dann ein wunderschöner Tag, von dem wir noch lange redeten.

Smen promovierte 1974 mit seiner Doktorarbeit: «Mineralogisch-petrographische und geochemische Untersuchungen der Gesteine der Val Punteglias (GR)». Noch während des Studiums arbeitete er einen Feldsommer lang in Ostgrönland auf der Traill Ö in der Nähe von Mestersvig und prospektierte hier auf Niob Lagerstätten. Bereits ein Jahr zuvor war ich für den gleichen dänischen Konzern im Kangerdluqsuak als Prospektor tätig. Unmittelbar nach dem Studium erhielt Smen eine Anstellung bei Shell und arbeitete vorerst in Holland in der Forschung. Später wechselte er in die Exploration von Öllagerstätten in verschiedenen Konzessionsgebieten der Shell, Spanien, England, Borneo, Falkland, Vietnam. Seine Frau Ruth, ebenfalls eine Langgässlerin und Tochter des Quartierschreiners, vermutlich seine Jugendliebe, begleitete ihn bei all diesen Auslandabenteuern. Sie waren ein verschworenes Paar, Ruth machte alle diese Eskapaden mit Begeisterung mit, lernte die jeweiligen Landesprachen, sogar auch vietnamesisch. Manchmal kamen Karten, auch eine von der erfolgreichen gemeinsamen Besteigung des Kinabalu auf Borneo (mit 4095 m der höchste Berg Malaysias). Die Ferientage verbrachten Ruth und Smen immer in Bern, man traf sich mit Freunden, es gab immer viel zu erzählen.

Das Gute eines Jobs bei der Shell ist, dass man früh pensioniert wird, dies in Abhängigkeit der geleisteten Tropenjahre. Smen und Ruth waren folglich früh zurück in Bern. Smen engagierte sich im SAC Bern und im AACB, war in deren Vorständen. In der Zeit von 2004 bis 2015 war er Mitglied der Zentralen Umweltkommission der Geschäftsstelle des SAC. Bei all diesen Funktionen brachte sich Smen mit Herzblut ein, sei es bei den Energiefragen um die SAC Hütten den Finanzen des AACB oder bei der Neugestaltung des Clubheftes des SAC Bern.

Ich weiss nicht, wann genau ihn die heimtückische Krankheit Parkinson erfasste. Er verschwieg sie lange. Erst 2016 outete er sich, ich hatte schon viele Jahre zuvor eine entsprechende Befürchtung. Dank guter Medikamente konnte er jahrelang gut mit der Krankheit umgehen, weite Reisen machen, bergsteigen. Mit der zunehmenden Verschlechterung seiner Gesundheit wurde der Alltag beschwerlicher, es gab immer wieder Spitalaufenthalte. Beim regelmässigen Jassen in der Viererrunde mit Aschi Anliker, Peter Kellerhals und mir konnten wir zusammen noch gute und frohgemute Stunden verbringen. Zuletzt war auch dies nicht mehr möglich. Am 10.11.2018 schrieb er seinen Freunden: «Die Medizinmänner sind am Studieren und Basteln von anderen Medikamenten-Mixen. Um ein aussagekräftiges Resultat zu erzielen, dauern die verschiedenen Tests je mindestens einen Monat – time flies by …. Zudem habe ich mich kürzlich zu einer «Shiatsu»-Behandlung «überzeugen» lassen – on verra… und zu guter letzt brachten unsere vietnamesischen Freunde Wärmekissen mit aetherischen Ölen aus Vietnam….das muss ja gut kommen. Nicht überraschend haben obige Tatsachen mein Sozialleben / Netzwerk recht stark strapaziert. Hoffe Euch mit diesem E-Mail wieder auf meinen heutigen «State of the Union» gebracht zu haben. «Spontis» – zu einem kurzen Schwatz mit Drink, Kaffee …. – most welcome! Mit liebem Gruss, Smen.»

Ruth, ebenfalls an einem schweren Parkinson erkrankt, und Smen blieben in ihrem Haus in der Länggasse, umsorgt von einer Pflegerin. Im März 2025 musste Smen wegen eines Delirs ins Spital und starb dort am 29. März 2025. Er empfing mich immer, wenn ich ihn im Spital besuchte und obschon schon sehr schwer krank, mit einem Lächeln auf seinem Gesicht. Er war einer meiner besten Freunde, geradlinig, zuverlässig, immer mit Humor, dies bis zuletzt trotz seines schweren Schicksals.

Hans Ruedi Keusen

/ | Leave a comment

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

To top