«21. - 26. Juli 2003 Tourenwoche Oberaletsch»

 

 

 
Wir trafen uns am Montagmorgen um 7.15 Uhr am Treffpunkt im Bahnhof Bern. Gemeinsam begaben wir uns auf den Zug und erreichten schliesslich, nach mehrstündiger Fahrt mit Zug, Postauto und Seilbahn die Belalp. Nach einer kurzen Pause und nachdem wir den Aletschgletscher bestaunt hatten begann der Aufstieg: Die ersten drei Stunden ging alles gut, doch dann brach plötzlich, als wir mitten auf dem Gletscher waren, ein Gewitter los. Zwar erreichten wir bald darauf die Oberaletschhütte, doch der heftige Regen hatte ausgereicht, um uns und selbst den Inhalt unserer Rucksäcke nass zu machen... Glücklicherweise gab es einen Ofen und eine Wäscheleine, so dass unsere Sachen binnen kurzem wieder trocken waren.
Da wir alle hungrig und müde waren, wollten wir nur noch eins: Essen und ins Bett. So kam es dann auch, und bereits um 21.00 Uhr waren wir fast alle im Bett.
Um 6.00 Uhr wurden wir am Dienstag morgen geweckt und marschierten bereits eine Stunde später Richtung Distelberg ab. Nach zwei stündigem Anstieg kamen wir zum Einstieg, bildeten sechs Zweierseilschaften und begannen mit der Kletterei. Wir kamen nur langsam vorwärts und Fred meinte, wenn es so weiterginge, seien wir erst zum Abendessen zurück. Wir hielten das für einen Witz, doch genau so sollte es kommen: Als endlich alle auf dem Gipfel waren, war es bereits 15.00 Uhr und der Abstieg nahm dann noch vier Stunden in Anspruch, so dass wir pünktlich zum Abendessen wieder zurück waren.

Am Mittwoch machten wir eine Gletschertour aufs Schinhorn. Um 5.30 Uhr marschierten wir ab, noch halb verschlafen und mit wehmütigen Gedanken ans warme Bett. Wir kamen schnell voran und waren schon bald am Fusse des Berges angelangt. Nachdem wir uns "gletschermässig" ausgerüstet hatten (Steigeisen, Pickel, Gamaschen, etc.) begannen wir mit dem langen Aufstieg, der über zahlreiche Gletscherspalten, steile Gänge und Kletterpassagen führte. Als wir endlich oben waren, wünschten wir und nichts sehnlicher als einen Hubschrauber oder einen Fallschirm... Natürlich blieb das ein Wunsch und wir mussten aus eigener Kraft wieder runterkommen. Wir schafften es! Nach ganzen 13.5 Stunden waren wir alle wohlbehalten wieder zurück. Wir zogen die Schuhe aus und badeten unsere müden Füsse im kalten Brunnen. Das Abendessen war äusserst amüsant, denn wir waren so müde, dass wir über jeden noch so blöden Witz lachen mussten.

Am Donnerstag morgen stellten wir entzückt fest, dass unser heimlicher Wunsch nach schlechtem Wetter in Erfüllung gegangen war. Endlich konnten wir es ein Mal gemütlich nehmen, ausgiebig essen, lesen, Kreuzworträtseln, Spiele machen und im nahen Klettergarten einige leichte Routen klettern.

Ausgeruht wie wir waren, freuten wir uns am Freitag auf die Besteigung des Gross Fusshornes und standen ohne Mühe um 5.00 Uhr auf. Noch vor den ersten Sonnen-strahlen waren wir aufgebrochen und glaubten, diese Tour in recht kurzer Zeit zu meistern. Doch, was auf der Karte wie ein einfacher Grat ausgesehen hatte, entpuppte sich als zerklüfteter, zackiger, immer auf und ab gehender und windiger Grat. Aber trotz aller Schwierigkeiten und obschon uns Fred vorhielt, Grossmütter seien schneller und würden weiniger Steine runterwerfen als wir, kamen wir doch alle oben an. Nach der verdienten Gipfelrast begannen wir mit dem Abstieg, der noch fast schwieriger war als der Aufstieg: Wir mussten ein Couloir, das praktisch nur aus losen Steinen bestand und sehr steil war, hinunterklettern, ein Schneefeld queren und schliesslich wieder auf dem Grat balancieren und das alles in Freds Tempo!
Zu Hause konnten wir dann nicht etwa ausruhen, sondern mussten noch den Ruck-sack packen, damit wir am nächsten Morgen bei Zeiten den Heimweg antreten konnten.

Am Samstag packten wir die letzten Sachen und stiegen dann zur Belalp ab. Wir waren froh um unsere Pickel, denn mit ihrer Hilfe konnten wir unsere müden Knie ein wenig entlasten. Vor der Seilbahn assen wir zusammen und sprachen über das Lager und was wir gelernt hatten. Die Reise nach Bern zurück verlief ohne Probleme. Nur der Zugswagen, in dem wir sassen, war weitgehend leer, denn wir waren recht laut und rochen so, wie man nach einer Woche ohne Dusche halt riecht. In Bern sagten wir uns Lebewohl und gingen jeder, müde aber mit vielen schönen Erinnerungen an das anstrengende, aber einfach geniale Lager, vielen neuen Erfahrungen, etwas stolz auf unsere Leistungen und voller Vorfreude auf die nächste Tour, nach Hause unter die Dusche und ins Bett.

P.S. Äs grossäs Merci a di drü supär Leitär!!!

Bericht: Andi Glauser